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Einsatzgrenzen, Winkel & Ablegereife bei Anschlagketten

Anschlagketten sind robuste und vielseitige Anschlagmittel für das sichere Heben verschiedenster Lasten. Damit sie ihre volle Tragfähigkeit erreichen und Gefährdungen vermieden werden, müssen jedoch die zulässigen Einsatzbedingungen beachtet werden. Entscheidend sind unter anderem die richtige Lastverteilung, zulässige Neigungs- und Spreizwinkel, der Umgang mit scharfen Kanten sowie die Einhaltung der vorgegebenen Einsatztemperaturen. Ebenso wichtig ist die regelmäßige Prüfung der Anschlagkette auf Verschleiß und Beschädigungen, um ihre sichere Verwendung dauerhaft zu gewährleisten. Die folgenden Hinweise erläutern die wichtigsten Einsatzgrenzen und zeigen, wann eine Anschlagkette nicht mehr verwendet werden darf.

Regeln beim Einsatz von Anschlagketten: Vermeide diese Fehler

  • Die Tragfähigkeit gilt nur unter der Bedingung, dass die Last gleichmäßig (symmetrisch) auf die Stränge verteilt ist. Wenn das nicht der Fall ist (z. B. ungleichmäßige Verteilung oder schräge Lastaufnahme), kann sich die tatsächliche Tragfähigkeit deutlich verringern.
  • Wenn Anschlagstränge nicht symmetrisch angeordnet sind, entsteht eine ungleichmäßige Lastverteilung. Der „steilste“ Strang trägt dann am meisten. Das kann zu einer Überlastung einzelner Stränge führen. Bei 4-strängigen Systemen ist die Situation noch komplexer – dort muss zusätzlich berücksichtigt werden, ob die Last überhaupt formstabil genug ist, um die Belastung korrekt aufzunehmen.
  • In der Praxis ist es oft schwierig, alle Stränge eines Mehrstranggehänges exakt gleich zu belasten – vor allem bei starren, unnachgiebigen Lasten. Deshalb verteilen sich die Kräfte ungleichmäßig. Bei 4-strängigen Anschlagmitteln ist es daher üblich, nur die Tragfähigkeit von 3 Strängen anzusetzen (man spricht hier vom „3 Strang Prinzip“).
  • Die Kraft, die ein Strang aufnimmt, hängt vom Neigungswinkel (siehe Abbildung) ab. Je kleiner der Winkel (also je näher an der Vertikalen), desto mehr Gewicht übernimmt der Strang. Flacher stehende Stränge tragen dagegen weniger, weil ein größerer Teil ihrer Kraft nicht direkt nach unten wirkt.
  • Wenn sowohl eine unsymmetrische Verteilung der Stränge als auch unterschiedliche Neigungswinkel auftreten, können sich diese Effekte entweder überlagern oder gegenseitig aufheben.
  • Eine Belastung kann noch als symmetrisch angesehen werden, wenn alle der folgenden Bedingungen erfüllt sind:
    – Die Last beträgt weniger als 80 % der gekennzeichneten Tragfähigkeit.
    – Die Neigungswinkel aller Kettenstränge sind mindestens 15°.
    – Die Neigungswinkel aller Kettenstränge weichen höchstens um 15° voneinander ab.
    – Bei 3‑ und 4‑strängigen Gehängen liegen die Winkel der Stränge in der Anschlagebene ebenfalls innerhalb einer Abweichung von maximal 15° zueinander.
  • Bei unsymmetrischer Belastung muss die Beurteilung des Hebevorgangs durch eine sachkundige Person erfolgen. Alternativ ist die Tragfähigkeit auf 50 % der gekennzeichneten Tragfähigkeit zu reduzieren.

Bitte beachte auch das Anschlagen mit mehreren Strängen. Hier gilt nach DGUV Regel 109-017:


  • Ist sichergestellt, dass sich die Last gleichmäßig auf die Stränge verteilt oder dass bei ungleicher Verteilung die zulässige Belastung der einzelnen Stränge nicht überschritten wird, können alle Stränge als lasttragend angesetzt werden.
  • Trifft dies nicht zu, dürfen maximal zwei Stränge als lasttragend berücksichtigt werden.
  • Eine ungleiche Lastverteilung ist immer dann zu erwarten, wenn:
    – die Last nicht elastisch genug ist (also sich nicht verformt, um die Kräfte auszugleichen),
    – keine Ausgleichseinrichtung vorhanden ist (z.B.  eine Ausgleichswippe),
    – die Last selbst eine asymmetrische Geometrie aufweist,
    – der Schwerpunkt der Last nicht mittig liegt.
  • Eine Abweichung der Belastung zwischen den Strängen von bis zu 10 % kann jedoch als vernachlässigbar angesehen werden.

Was ist der Neigungswinkel und wie wird er gemessen?

Der Neigungswinkel beschreibt den Winkel zwischen einer gedachten senkrechten Linie (Lot) und dem jeweiligen Kettenstrang. Die Tragfähigkeit eines Kettenstranges hängt direkt vom Neigungswinkel ab: Je größer der Neigungswinkel, desto geringer ist die Tragfähigkeit. Neigungswinkel über 60° sind nicht zulässig. Treten bei mehrsträngigen Anschlagketten unterschiedliche Neigungswinkel auf (unsymmetrische Lastverteilung), darf nur die Tragfähigkeit des Stranges mit dem größten Neigungswinkel angesetzt werden. Zur Anpassung können im Einzelfall Verkürzungshaken oder Ausgleichswippen eingesetzt werden.


Was ist der Spreizwinkel?

Im Gegensatz zum Neigungswinkel bemisst der Spreizwinkel den Winkel zwischen zwei Kettensträngen (maximal 120°).

Dürfen Anschlagketten bei scharfen Kanten verwendet werden?

Ja. Anschlagketten können bei scharfen Kanten eingesetzt werden, da sie aus hochfestem Rundstahl bestehen und widerstandsfähiger gegenüber Kantenbelastungen sind als textile Anschlagmittel.

Bei solchen Einsatzfällen ist zu berücksichtigen, dass durch die punktuelle Belastung an der Kante zusätzliche Beanspruchungen entstehen können. In der Praxis wird daher häufig eine Reduzierung der zulässigen Tragfähigkeit vorgenommen, sofern kein geeigneter Kantenschutz verwendet oder alternativ eine größere Kettennenndicke gewählt wird. Dadurch wird eine ausreichende Sicherheitsreserve geschaffen.

Um Kette und Last zu schützen und die Kräfte gleichmäßiger zu verteilen, kann der Einsatz eines Kantenschutzes sinnvoll oder erforderlich sein, z. B. PU‑Kantenschutzlösungen wie der DoLex‑PU‑Kantenschutzwinkel KWS oder das DoLex‑PU‑Vierkantprofil. Diese führen die Kette gezielt über die Kante und reduzieren punktuelle Belastungen.

Textile Anschlagmittel wie Rundschlingen oder Hebebänder dürfen ohne geeigneten Kantenschutz nicht an scharfen Kanten eingesetzt werden. Für solche Anwendungen sind Anschlagketten – gegebenenfalls in Kombination mit Kantenschutz oder reduzierter Tragfähigkeit – die technisch geeignete Lösung.

Bei welchen Temperaturen dürfen die Anschlagketten eingesetzt werden?

Die zulässigen Einsatztemperaturen für Anschlagketten der Güteklasse 8 sind normativ festgelegt. Für die Güteklassen 10 und 12 sind die Einsatztemperaturen hingegen herstellerabhängig und müssen der jeweiligen Betriebsanleitung entnommen werden.

Die nachfolgende Tabelle zeigt für das Dolezych-Portfolio die zulässige Tragfähigkeit in Abhängigkeit von der Temperatur und der jeweiligen Güteklasse.

Temperatur
-
60°
-
40°
-
30°
+200° +250° +300° +350° +380° +400°
GK 8 DoKett 100% 90% 75%
GK
10
DoComfort 100% 90% 75%
DoKettPlus 100% 90% 75%
GK
12
DoComfortMax 100% 90% 75%
GK 6 DoKett
Edelstahl
100% 75%

Wann ist eine Anschlagkette ablegereif und darf nicht mehr verwendet werden?

Unter anderem bei Folgendem ist eine Anschlagkette ablegereif:

  • Risse, Anrisse oder bleibende Verformungen an einem Kettenglied, die auf Beschädigung oder Überlastung hinweisen und der Bruch eines Kettengliedes
  • Abnahme der Kettenglieddicke um mehr als 10 % der Nenndicke (d. h. Wenn ein Kettenglied durch Abnutzung deutlich dünner geworden ist – also mehr als ein Zehntel seiner ursprünglichen Dicke verloren hat.)
  • Wenn die Kette durch Überlastung dauerhaft länger geworden ist, weil sich die Kettenglieder gestreckt und dabei verdünnt haben. Das ist erkennbar an einer Verlängerung des äußeren Nennmaßes L um mehr als 3 % oder einer inneren Längung um mehr als 5 %
  • Aufweitung des Hakenmauls um mehr als 10 % gegenüber dem Neuzustand oder sonstige bleibende Verformungen des Hakens
  • Verschleiß des Hakengrunds um mehr als 5 %, also Materialabtrag an der Auflagefläche des Hakens
  • Verschleiß der Aufhänge‑ oder Endglieder um mehr als 10 % der ursprünglichen Materialdicke
  • Fehlender oder unlesbarer Kennzeichnungsanhänger, sodass Tragfähigkeit und Güteklasse nicht eindeutig bestimmbar sind (bis zur Klärung ist die Kette wie Güteklasse 2 zu behandeln)
  • Verfärbungen infolge unzulässigen Wärmeeinflusses, die auf eine Überschreitung der zulässigen Einsatztemperatur hinweisen

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Mit sechs Standorten auf vier Kontinenten und Hauptsitz im Dortmunder Hafen verbindet Dolezych internationale Expertise mit persönlicher Betreuung vor Ort. So erhältst du Schulungsinhalte direkt vom Hersteller und Systempartner, der seit Jahrzehnten für Qualität, Sicherheit und praxisgerechte Lösungen in der Hebe- und Anschlagtechnik steht.

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